Es gibt Live-Alben, die eine Band dokumentieren. Und dann gibt es Alben, die einen in eine Geschichte, in eine Stadt, in ein ganzes Leben hineinziehen, in dem man an eine bestimmte Art des Rockverständnisses glaubte. Dieses „LIVE!“ von Elektradrive gehört ohne Zögern zur zweiten Kategorie.
„LIVE!“ ist keine einfache Best-of-Zusammenstellung, die vor Publikum gespielt wurde. Es ist eine Reise durch vierzig Jahre, die nie nostalgisch wirkt. Sie beginnt mit „Take Off“ und „Secret of the Holy Grave“, und man merkt sofort, dass hier nichts vorgetäuscht wird: Der Sound ist voll, kompakt und vor allem lebendig. Die Stimmen verschmelzen in den Refrains, als wäre die Band immer noch das vielversprechende Talent der 80er, als noch alles zu erobern war und die Zukunft wie ein klarer Weg zu etwas Großartigem aussah.
„LIVE!“ ist keine einfache Best-of-Zusammenstellung, die vor Publikum gespielt wurde. Dann folgen Episoden wie „Lord of the Rings“ oder „The Riot of the Young Guns“, und da geschieht etwas, das bei Live-Auftritten keineswegs selbstverständlich ist: emotionale Kontinuität. Man spürt nicht den Lauf der Zeit, man spürt nicht die Lücke zwischen den Aufnahmephasen. Stattdessen nimmt man eine fast trotzige Kohärenz wahr, als wären all diese Songs in einem einzigen kreativen Atemzug entstanden. Und wenn „Brainstorm“, das Debütalbum der Band, wieder auftaucht, ist es keine Nostalgie, sondern ein Bewusstsein. Es ist der Beweis, dass manche Bands von Geburt an in ihrer Vision vollkommen sind.
Wenn es musikalische Gerechtigkeit gibt, sollte dieses „LIVE!“ nicht als einfache Feier, sondern als endgültige Bestätigung in Erinnerung bleiben. Elektradrive kehren nicht zurück, sie machen weiter. Und damit erinnern sie uns daran, dass melodischer Hardrock, wenn er so gespielt wird, niemals alt wird. Atmen Sie durch.